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Interview mit Katrin Senne – Segelflugweltmeisterin 18m Klasse

By 15. Juni 2017Interview

Wir gratulieren Katrin Senne ganz herzlich zum neuen Titel Segelflugweltmeisterin in der 18m Klasse – 2017!

 

Was ist für dich / was bedeutet dir Segelfliegen? Max 3 Wörter

Freiheit / Herausforderung / Erlebnis

 

 

Was war bis anhin dein grösster sportlicher Erfolg?

2017: Weltmeisterin 18 m Klasse bei der 9 th WWGC in Zbraslavice.

 

Was war bis anhin dein grösster persönlicher Erfolg?

1992/1993: 7 Weltrekorde in 2Wochen im Doppelsitzer zusammen mit der italienischen Segelfliegerin Adele Mazzuchelli-Orsi in Mmabatho (Süd Afrika). Sie ist bis heute mein großes Idol und war in meiner Jugend meine persönliche Mentorin zusammen mit ihrem Mann Giorgio Orsi. Sie war die Persönlichkeit und Vorzeigesportlerin des italienischen Segelfluges.
Sie haben mich immer unterstützt, gefördert und an mich geglaubt, genau so wie mein Mann Stefan Senne und meine Eltern Ursula & Klaus Keim. Der finanzielle und zeitliche Aufwand, der heute nötig ist um in der Spitze mitfliegen zu können, wäre ohne ihre Hilfe nicht möglich.

 

 

Und was wäre für dich der ultimative Erfolg?

Bei einer normalen „gemischten“ WM auf einen Podiumsplatz zu gelangen.

 

 

Kannst du uns ein oder zwei Punkte aufzählen, welche du bei deinen Flügen aktiv trainierst und zu deinem Erfolg beitragen?

Ich versuche immer möglichst fokussiert zu sein bei einem Flug. Mich ganz auf das Wetter, die Wolken, die Strecke konzentrieren zu können um dann einen möglichst schnellen Flug abzuliefern.
Dies gelingt mir bei „freien Flügen“ am Wochenende bei uns auf dem Flugplatz eher weniger. Wenn ich mir keine konkrete Strecke vornehme oder einen Flug ausschreibe dann fliege ich meist der Nase nach dorthin wo es am Besten aussieht. Und das trainiert nicht um bei einer Meisterschaft auch bei schlechtem Wetter gute Schnitte fliegen zu können. Deshalb nehme ich mir am liebsten jedes Jahr vor mindestens an 3 Wettbewerbe teil zu nehmen. Diese sind für mich das beste Training. Man plant die Zeit im Vorfeld ein, stellt sich mental darauf ein und macht sich keinen Kopf um das Wetter. Wenn eine Strecke ausgeschrieben wird dann fliegt man eben egal wie gut oder schlecht es ist. Und das mit Konkurrenten und Trainingspartnern.
Im Wettbewerb läuft mein Tagesablauf schon seit Jahren immer nach dem gleichen Muster ab. Jeder Handgriff sitzt, ist automatisiert und folgt einer ganz bestimmten Reihenfolge. Jetzt bei der letzten WM mit 12 Wertungstagen kam ich mir schon vor wie im Film „und täglich Grüßt das Murmeltier“. Immer genau der gleiche Ablauf. Jeden Tag. Aber das trägt bei mir dazu bei, dass ich mich komplett auf den Flug konzentrieren kann. Ich gerate dann in einen Art „Wettbewerbstunnel“ (so nenne ich es immer). Was gerade zu Hause oder um mich rum passiert steht nicht im Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Ich schauen nach den Mitfliegern, wo waren sie bei einem Flug schneller und besser als ich. Freue mich auf die nächsten Wettbewerbstage und Flüge und versuche jeden Tag auf’s Neue eine gute Leistung abzuliefern.

 

 

Was hast du dir für diese und/oder kommende Saison für Ziele vorgenommen?

Bei der 9th WWGC 2017 wollte ich auf das Podium. Das habe ich mit dem Gewinn in der 18 Meter geschafft. Nun darf ich 2018 bei der WGC in der 18 Meter Klasse starten. Dies ist eine sehr große Klasse mit einer sehr hohen Leistungsdichte. Bei dieser WM unter die Besten 10 zu fliegen, das wäre ein Traum.

 

 

Was ist für dich die grösste Herausforderung und was machst du dagegen?

Blauthermik. Einfach los fliegen …..

 

Kannst du Lernmittel oder dergleichen empfehlen? ( Bücher, Seminare, Webseiten, Coaches?)

Brigliadori, L. & R. – Erfolgreich Segelfliegen (ISBN 978-3-9812006-0-7)

 

 

Hattest du während deiner fliegerischen Laufbahn einen Durchbruch ein «AHA» Erlebnis? Kannst du uns erzählen was es war und wie es dazu kam?

Vor ein paar Jahren bin ich abwechselnd mit meinen Mann Stefan den Hahnweidewettbewerb mit seiner ASW 22 BLE in der Offenen Klasse mitgeflogen. Ich habe einfach mein Ding gemacht und bin so geflogen wie ich es auch mit meiner ASG 29 immer tat. Der Nase nach! Und am Abend kamen die Mitflieger an den Biertisch. „Wer von euch beiden ist heute geflogen?“ war dann die Frage. „Ich warum?“ sagte ich dann. Weil du so gut geflogen bist. Da wurde mir klar: „Es kochen alle nur mit Wasser!“

 

 

Was war der beste Ratschlag den du jemals bekommen hast?

Fliege einfach so wie du immer fliegst. Vertraue auf deine Fähigkeiten, du kannst es!
Wenn die Wetterlage schwierig ist oder der Flug kurz vor der Außenlandung steht dann besinne ich mich darauf und oftmals hilf es mir.

 

 

Welchen Ratschlag gibst du jemanden der die Lizenz gerade neu erworben hat?

Habe Spaß am Fliegen, freue dich an schönen Flügen über tollen Landschaften, genieße das „Stille Abenteuer“ und taste dich langsam an den Streckenflug heran. Mit einer guten Ausbildung, der Fähigkeit Wetter zu beobachten und zu deuten und dem ein oder anderen Tipp von „alten Hasen“ kann man innerhalb von kurzer Zeit tolle Streckensegelflüge absolvieren. Das ist ja das schöne an unserem Sport. Man ist nie zu alt um immer wieder was NEUES dazu zu lernen. Das Lernen hört nie auf.

 

 

Hast du einen Spruch oder ein Motto das du geistig mit dir trägst?

Vertraue auf deine eigene Stärke! Folge deiner Intuition und dem Bauchgefühl!

 

 

Gibt es einen Flug nebst den Wettkämpfen und Bestleistungen an den du dich für immer erinnern wirst? Und weshalb?

Es war einer meiner ersten Wettbewerbe mit meinem neuen Discus. Es muß in den 80 er Jahren gewesen sein. Es war in Rieti (Italien). Ich befand mich in Spoleto kurz vor dem Einstieg in das Valnerina Tal im Endanflug auf Rieti. Die Endanflug Höhe hatte ich noch nicht erreicht. Und es ist immer spannend den Einstieg in das Tal zu treffen. Denn je nach Windrichtung funktioniert dieses Tal im Hang manchmal phänomenal und manchmal eben leider nicht. Auf einmal war Klaus Holighaus bei mir und im Funk wechselte ich auf die deutsche Frequenz. Er meinte toll Katrin, schon fast zu Hause, komm einfach hinter mir her das Valnerina Tal wird schon funktionieren. Wann hat man schon mal die Gelegenheit von einem mehrfachen Meister mitgenommen zu werden. Ich tapfer hinterher und voller Freude nun nach Hause begleitet zu werden. Aber siehe da, die Hänge funktionierten NICHT, mein Hals wurde immer länger und die Berge um mich rum immer höher. Der direkte Sprung über die letzten Bergrücken in Richtung Rieti war nicht mehr möglich. Wir fanden uns beide 8 fliegend bei Arrone wieder. Er hatte einen Ventus mit Turbo dabei und ich hing da dann in Ameisenkniehöhe in einem Tal fest in dem man eigentlich nicht landen kann. Zumindest nicht ohne Bruch zu machen. Er meinte dann: „ Katrin ich flieg dann schon mal Richtung Rieti und versuche ob es klappt.“. Schöner Mist! Die landbaren Äcker am Piediluco See waren für mich auch nicht mehr erreichbar. Also blieb mir nichts anderes übrig als ein kleines schiefes Feld bergauf zu wählen. Zum Glück ging alles gut. Mein Vater holte mich ab und war sehr glücklich, daß ich den Discus in das kleine Feld unversehrt zu Boden brachte. Am Flugplatz zurück waren alle froh. Und Brigitte Holighaus schimpfte regelrecht mit ihrem Klaus, warum er mich dazu aufforderte ihm hinterher zu fliegen obwohl er einen Turbo dabei hatte und ich nicht……Ende gut, alles gut.

 

 

Gibt es sonst etwas, dass du uns mitteilen möchtest?

Ich freue mich besonders in meinem Heimatverein, dem Flugsportverein Sindelfingen, dass wir immer mehr Flugschülerinnen bekommen. Es trauen sich nun auch mehr Mädels an das Überlandfliegen heran. Und das finde ich sehr schön. Ich hoffe es werden in Zukunft noch mehr .

 

 

Und vielleicht noch ein paar Worte an Leute die dich unterstützt haben und denen du danken möchtest:

Mein Dank gilt meiner ganzen Familie. Allen voran meinen Eltern Klaus & Ursula Keim. Sie haben mich mein ganzen Leben lang unterstützt und sind bis heute auch immer noch als Mannschaft bei den Meisterschaften mit dabei. Mit 19 hatte ich bereits einen Discus zur Verfügung den mein Vater und ich im Rohbau gekauft haben und selber fertig gestellt haben. Ein Jahr zuvor haben wir 2 einen Anhänger selber gebaut.
Der Dank gilt auch meinem Mann Stefan, welcher mich immer wieder für 2-3 Wochen zu den Wettbewerben ziehen läßt und er zu Hause, mit unseren 3 Kindern, den Laden am Laufen hält. Einen dicken Dank dafür.
Danken möchte ich aber auch noch ganz besonders Adele Mazzuchelli-Orsi und Giorgio Orsi.
Sie haben mich immer unterstützt, gefördert und an mich geglaubt.
Der finanzielle und zeitliche Aufwand, der heute nötig ist um in der Spitze mitfliegen zu können, wäre ohne ihre Hilfe nicht möglich.

Weiterführende Links:
http://www.soaringspot.com/en_gb/9th-fai-womens-world-gliding-championship-2017-zbraslavice-2017/results/18m/task-12-on-2017-06-03/total
https://www.fsv-sindelfingen-ev.de/fileadmin/presse/Segelfliegen_210412.pdf
https://www.alexander-schleicher.de/katrin-senne-ist-weltmeisterin/
https://www.frauenurinal.de/ Online Shop von Katrin Senne